Kleinunternehmer-Regelung nutzen

Die Kleinunternehmer-Regelung (alt)

Die Grenze für die Kleinunternehmer-Regelung beträgt 17 500 €

Vor dieser Frage stehen die meisten Unternehmensgründer: Lohnt es sich, die Kleinunternehmer-Regelung (§19 Abs. 1 UStG) in Anspruch zu nehmen? Für 90 % der Gründungen: Ja.

Vorteile als Kleinunternehmer

Kleinunternehmerinnen und Kleinunternehmer sind von der Umsatzsteuer befreit. Sie müssen keine Umsatzsteuer vom Kunden erheben und keine monatliche bzw. vierteljährliche Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt abgeben. Mit anderen Worten:

  • Kleinunternehmer sind mit weniger Bürokratie im Geschäftsbetrieb belastet. Für alle Einnahmen gilt: Brutto = Netto.
  • Kleinunternehmer benötigen weniger Zeit für die Steuererklärung. Wer seine Steuererklärung selber erledigt, fährt mit der Kleinunternehmerregelung besser. Die Einteilung in Brutto- und Nettobeträge entfällt.
  • Kleinunternehmer können Waren und Dienstleistungen für den Endverbraucher (Privatkunden) günstiger anbieten – sie genießen einen Wettbewerbsvorteil.

Bei Unternehmensgründung als Kleinunternehmer festlegen

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Voraussetzung ist, dass du bei der Unternehmensgründung nicht freiwillig auf die Inanspruchnahme der Kleinunternehmerregelung verzichtet hast! Siehe dazu das Bild oben. Wichtig sind die zwei Kreuze im Punkt 7.3 auf dem Fragebogen zur steuerlichen Erfassung!

Umsatzsteuer-Grenze gilt für 12 Monate – Gründer müssen hochrechnen

Die Umsatzsteuer-Grenze von 17.500 Euro bezieht sich auf ein ganzes Jahr. Wenn du dein Gewerbe innerhalb des Jahres beginnst, musst du den voraussichtlichen Umsatz auf 12 Monate hochrechnen. Beispiel: Wenn du zum 1. Juli beginnst, liegt deine Grenze bei 7.750 Euro.

Die 17.500 Euro-Grenze bezieht sich auf Bruttobeträge! Beim Addieren deiner voraussichtlichen Umsätze musst du die Umsatzsteuer zunächst einbeziehen.

Was zählt zum Umsatz?

Zum Umsatz zählt alles, was du deinen Kunden in Rechnung stellst, also auch Porti, Reisekosten und Spesen.

Beispiel: In deinem Onlineshop werden auf den Verkaufspreis noch Versand- und Zahlungsgebühren aufgeschlagen. Auch diese Einnahmen zählen zu deinem Umsatz

Umsatzsteuerpflicht ist vom Umsatz abhängig

Gerne verwechselt werden die Grenzen für die Umsatzsteuer und die Gewerbesteuer. Hier noch einmal die Unterschiede:

  • Wenn du einen Onlineshop oder ein anderes Gewerbe betreibst, bist du ist ab einem Gewinn von über 24.500 EUR zur Abgabe der Gewerbesteuererklärung verpflichtet.
  • Die Umsatzsteuerpflicht ist hingegen vom reinen Umsatz abhängig. Wenn du viele Waren bei niedriger Gewinnmarge verkaufst, bist du auch bei bescheidenem Gewinn kein Kleinunternehmer mehr.

Eselsbrücke: Umsatzsteuer ist vom Umsatz abhängig.

Aus den Grenzen ergibt sich: Gewerbesteuern spielen für Kleinunternehmer keine Rolle. Mit einem Umsatz von weniger als 17.500 € lässt sich kein Gewinn von über 24.500 € erzielen. 😉

Wechsel zwischen Kleinunternehmer und umsatzsteuerpflichtigem Unternehmer

Wie ist das mit dem Status-Wechsel? Hier gilt eine Frist von fünf Jahren, aber nur in eine Richtung!

  • Wechsel vom Kleinunternehmer zum umsatzsteuerpflichtigen Unternehmer: Jederzeit und fristlos. Formloser Antrag genügt.
  • Wechsel vom umsatzsteuerpflichtigen Unternehmer zum Kleinunternehmer: Erst nach einer 5-jährigen Frist (in Deutschland und Österreich). Auch in dieser Wechselrichtung genügt ein formloser Antrag.

Kleinunternehmerregelung bei zwei oder mehr selbständigen Tätigkeiten

Die Regelung für Kleinunternehmer ist an eine Person gebunden. Das heißt in der Praxis: Du kannst mehrere Unternehmen parallel betreiben, zum Beispiel einen Onlineshop und einen Fahrradverleih. Auch wenn du die Buchhaltung für die beiden Gewerben trennst – für die Inanspruchnahme der Kleinunternehmerregelung zählt dein Gesamtumsatz aus allen selbständigen Tätigkeiten. Rechenbeispiel:

  • Du hast einen Jahresumsatz von 7.000 € mit deinem Onlineshop, und 5.000 € mit deinem Fahrradverleih > Du kannst die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen
  • Du hast einen Jahresumsatz von 12.000 € mit deinem Onlineshop, und 10.000 € mit deinem Fahrradverleih > Du kannst die Kleinunternehmerregelung nicht in Anspruch nehmen

Mehrere Gewerbe werden steuerlich gleich behandelt

Was nicht funktioniert: Gewerbe A als Kleinunternehmer führen, Gewerbe B umsatzsteuerpflichtig. Durch die Personenbindung bist du entweder für alle Gewerbe ein Kleinunternehmer oder für gar keines.

Tipp für Eheleute, die jeweils ihr eigenes, separates Unternehmen führen und beide Kleinunternehmer sind: Auf jeden Fall getrennte Konten führen, aus Gründen der Übersicht und für das Finanzamt!

Die 50.000 Euro – Grenze

Als Gründer solltest du neben der Grenze von 17.500 Euro auch die Grenze von 50.000 Euro im Hinterkopf haben. In den Folgejahren deiner Gründung kannst du deinen Status als Kleinunternehmerunter unter diesen Bedingungen aufrecht erhalten (beides muss eingehalten werden):

  • Dein Umsatz lag im vergangenen Jahr bei maximal 17.500 Euro
  • Dein Umsatz überschreitet im laufenden Jahr zwar 17.500 Euro, bleibt aber unterhalb der Grenze von 50.000 Euro

Beispiel

Du hast dich zum 1. Januar 2018 selbständig gemacht, deinen Umsatz auf 12.oo0 Euro geschätzt und die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen. Deine tatsächlichen Einnahmen betragen 14.000 netto. Auf diese Summe musst du im Kopf noch die Umsatzsteuer aufschlagen. Sowohl mit einem Steuersatz von ermäßigten 7 % (zum Beispiel für Bücher) wie dem vollen Satz von 19 % bleibst du auch brutto unterhalb der 17.500 Euro im ersten Jahr.

2019 brummt dein Geschäft, und du erzielst einen Jahresumsatz von 30.000 Euro. Das heißt, dass du auch mit dem Aufschlag der Umsatzsteuer die 50.000 Euro-Grenze noch nicht überschreitest. Damit kannst du für das Jahr 2019 noch einmal die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen.

Ab dem Jahr 2020 gilt für dich dann aber die Regelbesteuerung. Deine Verpflichtungen:

  • Umsatzsteuer in deinem Shop und auf deinen Rechnungen ausweisen
  • Umsatzsteuer in deine Buchführung einbeziehen
  • Umsatzsteuer-Voranmeldungen beim Finanzamt in elektronischer Form abgeben, und ebenso die jährliche Umsatzsteuererklärung
  • Die Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen

Umsatzsteuer, Neben- und Hauptjob

Du betreibst deinen Onlineshop nebenbei, und bist noch irgendwo fest angestellt, bekommst also ein Gehalt von deinem Arbeitgeber? Welche Auswirkungen hat das dann für die Umsatzsteuer? Gar keine, denn auf Löhne und Gehälter wird keine Umsatzsteuer fällig. Du kannst also 40.000 Euro im Hauptberuf verdienen, und zusätzlich 10.000 Euro nebenberuflich mit dem Onlineshop, ohne deinen Status als Kleinunternehmer zu gefährden. Relevant sind die zusätzlichen Einkünfte allerdings für deine Einkommensteuer-Erklärung! Den Gewinn aus dem Nebenjob musst du voll versteuern.

Kleinunternehmerregelung, Kundenkreis und Investitionen

Du kannst unterhalb der Umsatzgrenze von 17.500 Euro die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, aber auch darauf verzichten. Mal von der Bürokratie abgesehen, welche weiteren Argumente sprechen für oder gegen den Status als Kleinunternehmer? Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten, es kommt auf deinen Kundenkreis an. Faustregel:

  • Im B2C-Bereich (Business to Customer), also beim Verkauf an Endkunden, lohnt sich die Kleinunternehmerregelung
  • im B2B-Bereich (Business to Business), also beim Verkauf an Geschäftskunden, lohnt sich die Kleinunternehmerregelung nicht

Verkauf an Endkunden

Wenn du an Endkunden verkaufst, die keine Vorsteuer absetzen können, dann spielt der Endpreis eine erhebliche Rolle! Der ganz normale Kunde fragt nicht nach Brutto und Netto, sondern nach dem Preis! Als Kleinunternehmer kannst du den Steuervorteil weitergeben und billiger anbieten!

Verkauf an Geschäftskunden

Im Geschäftskundenbereich ist die Umsatzsteuer nur ein durchlaufender Posten. Weil große Unternehmen die von dir erhobene Umsatzsteuer wieder als Vorsteuer absetzen, kannst du im B2B-Bereich keinen Preisvorteil ausspielen! Zudem wird dein Kleinunternehmer-Status von Geschäftskunden möglichersweise so interpretiert, dass du nicht wirklich von deinem Geschäft leben kannst.

Kleinunternehmer verzichten auf Vorsteuerabzug

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Für Unternehmen mit hohen Anfangsinvestitionen kann der Verzicht auf den Kleinunternehmer-Status finanzielle Vorteile bringen! Beispiel: Zwei Gründer machen sich mit einem Copyshop selbständig. Die Maschinen kosten 100.000 Euro netto, mit 19 % Umsatzsteuer also 119.000 Euro brutto. Gründer A startet als Kleinunternehmer, Gründer B in der regulären Besteuerung.

  • Gründer A bezahlt den Bruttopreis von 119.000 Euro an den Hersteller der Maschinen.
  • Gründer B bezahlt ebenfalls den Bruttopreis von 119.ooo Euro an den Hersteller, kann aber einen Teil der 19.000 Euro Umsatzsteuer wieder vom Finanzamt zurückholen, und zwar über den Vorsteuerabzug. Der Betrag wird mit den Umsatzsteuern verrechnet, die B auf die Rechnung seiner Kunden aufschlägt. Hat B nun sehr niedrige Einnahmen, dann bezahlt er keine Umsatzsteuer an das Finanzamt, sonder das Gegenteil tritt ein: Das Finanzamt zahlt Geld an B zurück.

Vorsteuerabzug und laufende Kosten

Abhängig vom Geschäftsmodell verzichten Kleinunternehmer darauf, hohe laufende Kosten zu senken.

Beispiel: Ein monatlich erscheinendes Stadtmagazin wurde gegründet. Für die Printausgabe fallen hohe Druckkosten an. Kleinunternehmer können sich die auf die Druckkosten anfallende Umsatzsteuer nicht vom Finanzamt zurückholen.

Geringwertige Wirtschaftgüter

Geringwertige Wirtschaftsgüter kannst du auch als Kleinunternehmer abschreiben. Deine Entscheidung pro/contra Kleinunternehmer solltest du davon nicht abhängig machen. Weitere Informationen zum Thema GWG und den Änderungen 2018 findest du hier: Geringwertige Wirtschaftsgüter.

 

Kennzeichnungspflicht als Kleinunternehmer

Der Gesetzgeber verlangt von Kleinunternehmern, ihren Status auf Rechnungen und im Bezahlvorgang mit einen Hinweis auf § 19 Abs. 1. Satz 1 UStG zu kennzeichnen (in Österreich § 6 UStG). Für einen rechtssicheren Onlineshop auf der Basis von WordPress stehen drei Plugins zur Verfügung:

Kleinunternehmerregelung

Aktivierung der Kleinunternehmerregelung über ein Plugin

Alle drei Plugins arbeiten auf ähnliche Weise. Bei Aktivierung der Kleinunternehmer-Regelung wird:

Korrekte Preisanzeige

Korrekte Preisanzeige mit Hinweis auf UStG §19

  1. Die Umsatzsteuer nicht berechnet
  2. Der rechtlich vorgeschriebene Hinweis am Preis eingeblendet: Umsatzsteuerbefreit gemäß UStG §19

Achte darauf, dass der Kleinunternehmer-Hinweis nicht nur in deinem Onlineshop platziert ist, sondern auf sämtlichen Angeboten und Rechnungen! Andernfalls drohen dir Nachforderungen vom Finanzamt.

Kleinunternehmerreglung und andere Pflichtangaben auf der Rechnung

Was muss auf einer Rechnung stehen, damit das Finanzamt nichts zu meckern hat? Ganz wichtig ist es, die Kleinunternehmerregelung auf der Rechnung anzugeben. Die Pflichtangaben:

  • Vollständiger Name und Adresse des Rechnungsstellers (Leistungserbringer) und des Kunden
  • Zeitpunkt bzw. Zeitraum der Leistung und Datum der Rechnung
  • Eindeutige Rechnungsnummer, wobei du dein System frei wählen kannst. Beispiel 1: Rechnungsnummer 001, 002, 003… Beispiel 2: Rechnungsnummer 1801, 1802, 1803…
  • Art der Leistung
  • Rechnungsbetrag
  • Höhe der enthaltenen Umsatzsteuer. Entweder 19 % oder der reduzierte Satz von 7 % (zum Beispiel für gedruckte Bücher) oder  ein Hinweis auf die Kleinunternehmerregelung. Beispiel: „Gemäß § 19 UStG enthält der ausgewiesene Betrag keine Umsatzsteuer.“
  • Die Umsatzsteuer-ID, bzw. als Kleinunternehmer die vom Finanzamt erteilte Steuernummer.

Beispiel Kleinunternehmer-Rechnung

  • Leistungserbringer: Max Muster, Musterstr. 12, 12345 Musterstadt
  • Kunde: Monika Käufer, Hauptstr. 3, 20000 Hamburg
  • Datum: 12. Januar 2017
  • Rechnungsnummer: RE-NR. 005
  • Art der Leistung: Zwei Stunden Beratung zum Shop-Marketing
  • Rechnungsbetrag: 198,- Euro
  • Umsatzsteuer: „Gemäß § 19 UStG enthält der ausgewiesene Betrag keine Umsatzsteuer.“
  • Steuernummer: xxx/xxx/xxxxx

Keine Pflichtangabe ist deine IBAN-Nummer, aber aus verständlichen Gründen solltest du sie auf Rechnungen immer mit angeben! Fausregel: Mache es den Kunden so einfach wie möglich, Rechnungen zu begleichen! So aktivierst du den Kauf auf Rechnung in WooCommerce.

Planst du ein StartUp als Kleinunternehmer? Interessierst du dich auch für die Themen Gründungszuschuss und freiwillige Weiterversicherung? Dann schau doch mal in mein Buch rein: Onlineshops mit WordPress.

Hauptberufliche und nebenberufliche Gründung

Noch ein Tipp zum Schluss: Im Internet geistert herum, dass sich die Kleinunternehmerregelung nur für nebenberufliche Gründer lohnt, weil Vollzeit-Gründer schnell die 17.500-Euro-Grenze überschreiten. Im Idealfall ist das so, aber für die meisten Gründer ist zunächst Aufbauarbeit angesagt. Die meisten Selbständigen arbeiten am Anfang sehr viel und verdienen nur mager. Bleib auch als Vollzeitgründer auf dem Teppich  – und falls du nicht im B2B-Bereich tätig bist – bei der Kleinunternehmerregelung 😉

Besucher auf die Website lotsen

Dein Startup steht und fällt mit der Anzahl deiner Website-Besucher. Besonders effektiv zur Steigerung von Traffic und Umsatz ist der Aufbau von Social-Media-Präsenzen und die Verknüpfung von Social Media und Website. Infos und Strategien zu Facebook, Twitter, Instagram, YouTube, Pinterest, Google Plus, Snapchat und Whatsapp findest du im Buch Freunde, Fans und Follower.

4 Gedanken zu „Kleinunternehmer-Regelung nutzen

  1. Frage: wenn ich im Hauptberuf Teilzeit 12000 € netto verdiene und dann mit der Selbständigkeit geschätzt 10000 dazu, bin ich dann Kleinunternehmer?

    • Hallo KonradG,
      das kommt darauf an, was du mit Hauptberuf meinst.

        Wenn du angestellt bist, spielt dein Gehalt für die Inanspruchnahmen der Kleinunternehmehr-Regelung keine Rolle, und damit auch für die Grenze von 17.500 Euro.
        Bist du dagegen auch im Hauptberuf selbständig, dann werden die Summen addiert und du liegst über den 17.500.

      Für das Finanzamt bist du eine Person, die die 17.500 überschreitet, auch wenn du gleichzeitig mit 2 unterschiedlichen Projekten selbständig bist.
      Grüße,
      Bernd Schmitt

  2. Hallo, wie ist das, wenn ich als Kleinunternehmer Kosten absetzen möchte, zum Beispiel für Computer, also den Kaufpreis? Muß ich da was beachten?
    Wolfgang

    • Hallo Wolfgang,
      für eine Einzelberatung wendest du dich an deinen Steuerberater. Ganz allgemein gilt: die Umstatzsteuer auf einen PC (oder etwas anders) kannst du als Kleinunternehmer nicht absetzen! Dann: die 17.500-Schwelle gilt für den Umsatz, ganz unabhängig von den Kosten. Abschreibungen werden in der 4-3-Rechnung vorgenommen, egal ob jemand Kleinunternehmer ist oder nicht. Alles ohne Gewähr.
      Bernd Schmitt

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