Rhetorische Mittel

Rhetorische Stilmittel schmücken jeden Text, ob gesprochen oder geschrieben. Hier eine Übersicht der häufig verwendeten:

Die Alliteration

Die Alliteration
Die Alliteration

»Stock der du gewesen, steh doch wieder still« (Goethe)
»Ceterum censeo Carthaginem esse delendam« (Cicero)

Bei der Alliteration werden Wörter mit gleichen Anfangsbuchstaben oder gleichen Lauten hintereinander gesetzt und bilden eine syntaktische Einheit. Ein Alliteration kann man auch im Buchtitel gut einsetzen!

Die Anapher

Die Anapher
Die Anapher

»Wer soll nun die Kinder lehren und die Wissenschaft vermehren?
Wer soll nun für Lämpel leiten seines Amtes Tätigkeiten?«
(Wilhelm Busch)

»Ja, da kann man sich doch nur hinlegen,
Ja, da muß man kalt und herzlos sein.
Ja, da könnte so viel geschehen.
Ach, da gibt’s überhaupt nur: nein!«
(Brecht)

Bei der Anapher werden einzelne Worte oder eine Wortgruppe zu Beginn aufeinanderfolgender Sätze wiederholt. Die Anapher eignet sich ganz gut für rhetorische Fragen.

Die Antithese

Die Antithese
Die Antithese

»Du sihst/ wohin du sihst nur Eitelkeit auf erden.
Was dieser heute bawt reist jener morgen ein:
Wo itzund städte stehn/ wird eine wiesen sein
Auff der ein schäffers kind wird spilen mitt den heerden.«
(Andreas Gryphius)
Muss man denn immer dagegen sein, schon aus Prinzip? Bei der Antithese auf jeden Fall! Jeweils zwei Begriffe oder Satzteile werden bei diesem Stilmittel gegenübergestellt.

Der Chiasmus

Der Chiasmus
Der Chiasmus

»Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit«
(Schiller)
»Und doch, welch Glück, geliebt zu werden,
Und lieben, Götter, welch ein Glück.
(Goethe)«

Der Buchstabe X entspricht dem griechischen Chi. Ein Chiasmus bezeichnet die über Kreuz angeordnete Stellung von Wörtern oder Wortgruppen. Das gegenteilige Stilmittel zum Chiasmus heißt Parallelismus. Ein Stilmittel für fortgeschrittene Rhetoriker!

Der Parallelismus

Der Parallelismus
Der Parallelismus

»Die früher leckere Speisen aßen, verschmachten jetzt auf den Gassen; die früher auf Purpur getragen wurden, die müssen jetzt im Schmutz liegen.“ (Klagelieder 4,5)

Sich entsprechende Wörter oder Satzteile erscheinen aufeinanderfolgendend. Der zweite Satz verstärkt noch einmal die Wirkung des ersten. Dieses Stilmittel ist häufig in der Bibel anzutreffen. Der Parallelismus eignet sich gut für dramatische Szenen.

Das Hyperbaton

Das Hyperbaton
Das Hyperbaton

»Wenn er ins Getümmel mich von Löwenkriegern reißt«
(Goethe)

»Longumque perosus exilium«
(Ovid)

Bei diesem Stilmittel werden eigentlich zusammengehörige Wörter durch das Dazwischenschieben eines Wortes oder Satzgliedes getrennt. Hyperbata werden auch als Sperrungen bezeichnet. Man muss schon hinsehen, um sie zu entdecken. Im ersten Beispiel würde „mich“ eigentlich vor dem „Getümmel“ stehen. Durch die Mittelposition wirkt die Szene dramatischer. Im zweiten Beispiel wird die lange Dauer des Exils durch das dazwischengeschobene Wort zusätzlich betont. Diesen Stilmittel kannst du auch gut einsetzen, um eine Person als etwas schwulstig darzustellen.

Die Klimax

Die Klimax
Die Klimax

»Was habe ich ihn nicht gebeten, gefleht, beschworen«
(Lessing)

»Heute back’ ich, morgen brau’ ich, übermorgen hol’ ich der Königin ihr Kind«
(Gebrüder Grimm)

Du steigerst dich gerne in etwas hinein? Dann ist die Die Klimax dein Stilmittel. Das zuerst Gesagte wird durch das Folgende immer noch übertroffen. Die Dramatik steigert sich mit jedem Satzteil. Die gegenteilige Figur zur Klimax ist die Antiklimax.

Die Antiklimax

Die Antiklimax
Die Antiklimax

»Und um den Papst zirkulieren die Kardinäle. Um die Kardinäle zirkulieren die Bischöfe. Und um die Bischöfe zirkulieren die Sekretäre.«
(Bertold Brecht)

Die Antiklimax ist ein Stilmittel der Ironie. Die Leiter wird Stufe um Stufe herabgestiegen, die Bedeutsamkeit der Wörter scheint abzunehmen. Aber tatsächlich geht es um eine Verstärkung der Gesamtaussage. Ein Stilmittel für Fortgeschrittene!

Die Ellipse

Die Ellipse
Die Ellipse

»Nichts im Übermaß!«
(Einer der 7 Weisen, wahrscheinlich Solon oder Chilon)

»Es war nach Mitternacht. Kein Laut. Kein Lichtschimmer. Stille Ahnung in der Luft. Er fasst Thomas Arm. Wenigstens nicht allein.«
(Goethe)
Bei der Ellipse werden ein oder mehrere Wörter weggelassen. Der Autor vertraut dabei seiner Leserschaft, die den Sinnzusammenhang selbst ergänzen darf.
Im ersten Beispiel, einer Inschrift vor dem Orakel zu Delphi, müsste „tue“ ergänzt werden. Im zweiten Beispiel fehlen mehrere Satzanfänge. Die Ellipse ist ein beliebtes Stilmittel der Sturm- und Drang-Literatur. Situationen und direkte Reden wirken durch Ellipsen besonders authentisch und spannend. Voraussetzung für Ellipsen: Leser müssen mit dem Autor auf einer Wellenlänge liegen!

Das Hendiadioyn

Das Hendiadyoin
Das Hendiadyoin

»Aus Schalen opfern wir und aus Gold«
(Vergil)
»Hab und Gut«
(Redewendung)

Im Hendiadyoin wird ein Begriff mit zwei Wörtern umschrieben. Damit wird er einerseits verstärkt, andererseits können unterschiedliche Aspekte des Wortes wiedergegeben werden. Wird auch häufig in der Alltagssprache verwendet: Hab und Gut, Tür und Tor, Angst und Bange. Kann man eigentlich in jedem Text einsetzen!

Die Geminatio

Die Geminatio
Die Geminatio

»Herz, mein Herz, von unbezwinglichen Leiden erfüllt«
(Archilochos)

»Entbehren sollst du, sollst entbehren!«
(Goethe)

Ander als beim Hendiadyoin wird dasselbe Wort doppelt gesetzt. Die Geminatio findet sich zumeist am Satzanfang oder Satzende. Die Geminatio passt immer für eine dramatische direkte Rede deines Helden!

Das Trikolon

Das Trikolon
Das Trikolon

»In ihm nämlich leben wir und bewegen wir uns und sind wir«
(Apg, 17,18)

»Ich kam, ich sah, ich siegte«
(Cäsar)

Das Trikolon tritt entweder wie im ersten Beispiel alleine auf, oder wie im zweiten Beispiel mit anderen Stilmitteln. In Cäsars Ausspruch, bekannt aus den Abenteuern von Asterix und Obelix, befinden sich auch Anapher, Klimax und Parallelismus.