Das Geld der Anderen: Crowdfunding

Du hast eine Idee, aber keinen Kies? Dann hole dir das Geld von anderen, mit Crowdfunding! Das Prinzip stammt aus dem 18. Jahrhundert. Damals begannen Verlage, ihre Veröffentlichungen über das Modell der Subskription vorzufinanzieren: Viele einzelne Leser schreiben sich auf eine Liste, nach Herstellung und Veröffentlichung des Buches erhalten sie dann die Erstausgabe zum billigeren Subskriptionspreis. Was damals die Verlage leisteten, übernehmen heute Crowdfunding-Plattformen.

  • Das Ziel:  Ideen lassen sich durch die Beiträge vieler Einzelner realisieren.

Geld ohne Risiko

Die klassische Unternehmensfinanzierung beginnt mit dem Gang zur Bank. Der Gründer leiht sich Kapital und zahlt später das Geld mit Zinsen zurück. Was aber, wenn das Unternehmen misslingt? Dann hat sich der Gründer bei der Bank verschuldet, und falls Oma gebürgt hat, wird ihr Häuschen zwangsversteigert. Beim Crowdfunding gehst du dagegen kein finanzielles Risiko ein.

Crowdfunding für kreative Produkte und Projekte

So geht’s: Die Idee wird auf einer Crowdfunding-Plattform präsentiert, am besten mit eindrucksvollen Bildern, Texten und einem Video. Dabei setzt der Gründer eine Zielsumme fest. Nehmen wir mal 10.000 Euro für ein besonderes Produkt, das du selbst herstellst oder in Eigenregie fabrizieren lässt. Geeignet sind auch Buch-, Film- oder Weltverbesserungsprojekte.

Unterstützer statt Kreditvermittler

Ob deine Idee finanziert wird, hängt von den Unterstützern ab. Es gibt Ausnahmen, aber bei den meisten Plattformen sind diese beiden Szenarien möglich:

  • Nach Ablauf der Zeit wird die Zielsumme nicht erreicht. Das Crowdfunding ist gescheitert, das Geld der Unterstützer wird nicht abgebucht
  • Die Zielsumme wird erreicht, und die kompletten Gelder werden, abzüglich eines kleinen Anteils für die Plattform, an den Gründer überwiesen, also z.B. auch 14.000 Euro bei einer Zielsumme von 10.000.

Die Unterstützer erhalten dann dein Produkt zu einem Vorzugspreis.

Eine kleine Auswahl von Plattformen:

Crowdfunding-Plattform Wemakeit
Crowdfunding-Plattform Wemakeit
  • Kickstarter – der Klassiker für alle Künstler und Erfinder, notwendig für deine Kampagne ist ein PayPal-Account
  • Indiegogo – ebenfalls ein Klassiker, und auch bei Indiegogo wird das Geld auf einem PayPal-Konto gesammelt
  • Startnext – die Crowdfunding-Plattform für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Tipp: Eignet sich gut für die Finanzierung von Social Business und Fair-Trade-Projekten
  • Ulule – europäische Crowdfunding-PLattform. Der Geheimtipp, um Geld für Musik, Comics und Filme einzutreiben
  • Wemakeit– weltweite Plattform für Musiker, Fotografen, Filmemacher und andere Kreative

Prefundia nutzen

Viele Crowdfunding-Kampagnen haben von vornherein keine Chance. Wenn die Idee zu schwach ist, aber auch, wenn das Projekt zu langweilig präsentiert wird oder überhaupt kein Netzwerk vorhanden ist. Auf jeden Fall ist es gut, die Basics zu checken, und zwar vor dem Launch auf Kickstarter, Indiegogo oder Ulele. Dafür gibt es Prefundia. Hier kannst du deine Idee und deine Kampagne frühzeitig auf Herz und Nieren prüfen, vor der eigentlichen Fundingzeit!

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Crowdfunding Tipps

  • Eine gute Idee haben und selbst zu 100% überzeugt sein. Bekenne dich zu deinem Wahn!
  • Die richtige Plattform wählen. Kickstarter ist riesig und generiert weltweit Unterstützer – wenn sie dein Projekt denn finden. Vielleicht wirst du auf Ulele eher wahrgenommen.
  • Nichts, was es schon gibt.
  • Realistisches Finanzierungsziel nennen. Wenn du ein kleines Projekt hast, dann setze einen entsprechend kleinen Betrag.
  • Kommunikation mit Unterstützern. Bleib bei Kritik locker, der Ruf in der Community ist wichtig.
  • Vorarbeit leisten. Mach deine Kampagne nicht erst zum Crowdfunding-Start bekannt, sondern 6 Wochen vorher. Aber nicht 6 Monate vorher, sonst kopieren Trittbrettfahrer deine Idee.
  • Nutze die sozialen Netzwerke. Schreib auf Facebook, Twitter, Google Plus, in Blogs und Foren. Und zwar so, dass du deine Zielgruppe erreichst. Überleg dir, wen du erreichen willst. Nerds, Weltverbesserer oder Yachtbesitzer? Das Volk ist bei Facebook, spezielle Gruppen (aber nicht die Yachtbesitzer) sind bei Diaspora unterwegs.
  • Kümmere dich um rechtliche Sachen. Verletzt dein Projekt Markenrechte oder Lizenzen? Kläre das besser im Vorfeld ab.
  • Such dir Mitstreiter, denn im Team geht Crowdfunding besser.

Kein Crowdfunding ohne Social Media

Ohne eine große Fanbase wird dein Crowdfunding-Projekt scheitern. Arbeite zunächst daran, deine Reichweite. Du musst nicht auf allen Kanälen vertreten sein, aber dort, wo du vertreten bist, solltest du auch viele Leute erreichen. Relevant sind Facebook, Twitter, YouTube, Instagram, Pinterest, Snapchat, WhatsApp und dein Blog. Tipp zum Aufbau einer Followerschaft: Freunde, Fans und Follower.

Crowdfunding-Video

Ein Crowdfunding-Video ist heute Standard. Ein witziges wird öfter geklickt als ein langweiliges. Bring dein Projekt in maximal 3 Minuten auf den Punkt! Die Schritte für eine halbwegs professionelle Crofunding-Videoproduktion:

Das Storyboard

Dein Video lebt und stirbt mit der Story. Die Basics:

  • Am Anfang: Deine Idee und verzwickte Situation
  • Nicht ohne Emotionen. Zeige Lachen und Weinen
  • Durch die Story führt ein unterhaltsamer roter Faden.
  • Die Story hat ein Call-to-Actio-Ende: Unterstütze mein Crowdfunding!

In der Storyboard-Phase brauchst du ein großes Blatt und einen Edding-Stift. Bring die Story grob und bildlich aufs Papier. Schlafe eine Nacht darüber, feile noch einmal an den Szenen. Passt die Handlung? Dann schreib das Drehbuch.

Das Drehbuch

Was du auf dem Storyboard grob skizziert hast, wird im Drehbuch konkret. Notiere zu jeder einzelnen Szene die Details:

  • Name der Szene
  • Dauer
  • Beschreibung der Handlung
  • Drehort und Requisisten
  • Kameraperspektive

Du wirst feststellen, dass manche Szenen nur sehr aufwändig zu drehen sind. Wenn dein Budget begrenzt ist: Mach es wie die Komikertruppe Monty Python! Für die Ritter der Kokosnuss wurde aus finanziellen Gründen auf die ursprünglich vorgesehenen Pferde verzichtet. Als Ersatz diente ein mit dem Zusammenschlagen von Kokosnüssen betrauter Ritter. Der Film hatte einen Running Gag und die Produktionskosten blieben niedrig.

Gehe sparsam mit Effekten umgehen. Du willst ja dein Cowdfunding-Projekt in den Vordergrund stellen, und nicht deine Künste als Videoeditor.

Das Casting

Wer vor der Kamera auftritt, muss voll motiviert sein, die Gesichter müssen etwas ausstrahlen. Drehe nicht mit Langweilern.

Kamera

Eine Handykamera reicht, oder eine bezahlbare Nikon oder Canon. Wichtiger als teure Technik sind die richtige Auflösung und das Licht. Stelle deine Kamera dann auf diese Werte ein:

1080p25 (Full HD)
Und das verbirgt sich hinter dem Zahlencode:

  • 1080 steht für die Auflösung von 1080 mal 1920 Pixel, das Standardformat moderner Videoclips
  • p steht für progressiv, also ein Vollbildaufnahme. Die Alternative i steht für interlaced, der Aufsplittung in Halbbildern.
  • 25 steht für die Framerate, der Standard liegt bei 25fps, 25 Bildern pro Sekunde.

Falls du einen Knopf für das Seitenverhältnis findest: Das gängige Format ist 16:9.

Licht

Professionelle Beleuchtung ist teuer, aber mit diversen Hilfsmitteln kommst du nahe an den Hollywood-Standard heran. Beginne mit einer sogenannten Drei-Punkt-Ausleuchtung. Das Prinzip:

  • Ein Führungslicht, das die Hauptperson oder den Hauptgegenstand knapp „über Augenhöhe“ anleuchtet, und zum Beispiel rechts von der Kamera platziert wird. Nun wirft das Führungslicht leider eine unnatürlichen Schatten.
  • Um diesen Effekt abzumildern, wird links von der Kamera nun ein zweites Licht postiert, das sogenannte Fülllicht. Es wird nicht ganz so hell wie das Führungslicht eingestellt.
  • Das dritte Licht, es ist nicht zwingend notwendig, befindet sich hinter der Person oder dem Objekt. Dieses sogenannte Spitzlicht trägt dazu bei, die Person oder das Objekt noch einmal vom Hintergrund abzuheben. Damit es nicht die Szene stört, greifen viele Regisseure zu einem Trick. Sie platzieren an der entsprechenden Stelle einfach eine Tischlampe oder eine andere „natürliche“ Lichtquelle, die in die Szene passt.

Ton

Zu den schwierigen Herausforderungen zählen Tonaufnahmen, vor allem bei Außenaufnahmen. Wichtig ist es, dass das Mirophon nicht zu weit vom Sprecher entfernt ist. Verwende am besten Ansteckmikrophone – oder verzichte ganz auf die Sprechaufnahmen, und vertone im Studio nach.

Verwackeln vermeiden

Mit dem Filmen „aus der Hand“ wirst du die Aufnahmen leicht verwackeln. Besser ist ein Stativ oder zumindest ein Schulter-Rig. Problematisch sind Kameraschwenks oder hektische Bewegungen der Akteure, beides zusammen funktioniert selten.

Damit dein Crowdfunding-Video gesehen und geteilt wird:

  • Mach es kurz – Niemand hat so viele Zeit, sich auf Crowdfunding-Plattformen lange Videos anzusehen. Obergrenze 3 Minuten!
  • Optik und Emotionen – Mach deinen Zuschauern Lust auf mehr. Zeige dein Ziel, deine Motivation, deine Emotion und dein Team.
  • Werde persönlich – Die Person dahinter ist fürs Crowdfunding genauso interessant wie die Sache selbst. Überzeuge deine Unterstützer davon, dass DU und niemand anderes für genau dieses Projekt auserwählt bist! Hallelujah!
  • Werde konkret – Wer, was, wo, wann, wofür, warum? Wer bist du? Was ist das für ein Projekt? Wo wird es realisiert? Wann geht es los?  Wofür soll das Geld verwendet werden? Warum nimmst du das alles auf dich? Sprich direkt in die Kamera, aber nicht wie ein Lehrer und nicht die ganze Zeit!
  • Könnt ihr mich hören? – Nuschel nicht herum. Die Audiospur deines Crowdfundung-Videos muss perfekt sein! Keine Störgeräusche und kein Geschmatze!
  • Die ersten Sekunden entscheiden – Die ersten Sekunden entscheiden darüber, ob dein Crowdfunding-Video überhaupt zuende gesehen wird. Sei kreativ und lass dir hier einen guten Opener einfallen.

Crowdfunding-Alternative: Steady

Steady
Mit Steady Projekte finanzieren

Wenn dein Crowdfunding scheitert, hast du eine Menge Arbeit und Zeit verschwendet. Wenn du dir das Alles-oder-nichts-Risiko ersparen möchtest, ist Steady eine Alternative für dich. Die Methode:

  1. Du erstellst deine Kampagnenseite auf Steady.
  2. Dort beschreibst du dich und deine Arbeit.
  3. Du legst dein erstes Kampagnenziel fest, also welche monatliche Summe du anstrebst. Und was du mit dem Geld konkret machen würdest (zum Beispiel zwei Beiträge pro Woche in deinem Blog schreiben

Auf der Kampagnenseite kann dein Publikum dann ein Unterstützungs-Abo abschließen – und mit PayPal, per Lastschriftverfahren oder den gängigen Kreditkarten zahlen. Auf diese Kampagnenseite verlinkst du von deiner Homepage, deinen Social-Media-Präsenzen (Facebook, Twitter, etc.), von deinem Newsletter und du schöpfst auch alle sonstigen Möglichkeiten aus.

Beispiel: Du möchtest deinen Podcast finanzieren und erklärst auf Steady, was du mit dem Geld anfangen willst. Dann verlinkst du fleißig und weist natürlich auch im Podcast selbst auf Steady hin. Wenn deine Hörerinnen und Hörer von dir begeistert sind, überweisen sie dir eine monatliche Summe.